Mit „Computerspiele“ getaggte auf Projektwiese:

  • Entspannung oder Amoklauf, was fördern PC Spiele wirklich?
  • Urheberrecht - Legal kreativ sein in der Bildungsarbeit
  • Open Source - Bildbearbeitung mit freier Software
  • Datensicherheit und Social Networks - Was geht bei SchülerVZ, MySpace & Co.?

Referate, Praxiseinheiten und Diskussionen zu diesen und weiteren Medienthemen bietet vom 20. bis 23.10.09 die Fortbildung
"Update Medienkompetenz! Internet und politische Jugendbildung"

Sie richtet sich an pädagogische Fachkräfte aus der schulischen und außerschulischen Bildung und der Jugendhilfe.
Spezifische Vorkenntnisse zur Teilnahme sind nicht notwendig.
In dieser Veranstaltung bekommen MultiplikatorInnen einen Einstieg, wie man junge Menschen zu reflektierten NutzerInnen und GestalterInnen der Mediengesellschaft ausbilden kann.

Mehr Infos unter www.projektwiese.de/update-medienkompetenz

... ist der Titel eines Blogs, dass sich sehr intensiv mit der Politiker_innen-Schelte an Computerspielen auseinandersetzt. Sehr engagiert und gründlich stellen hier vor allem Gamer selbst dar, aus welchen Gründen, sie den Ruf nach Computerspieleverbote im Speziellen und die Kritik an "Killerspielen" im Allgemeinen zurückweisen.

In einem Kommentar treibt es "maSu" auf die Spitze:

Verbot von Schneeballschlachten ist in Planung.
Politiker der Regierungskoalistion haben festgestellt, das alle Amokläufer dazu neigten im Winter ihre Aggression mit dem Simulierten Kriegsschpiel mittels gefrorenen H2O2 abzubauen.
Der Versuch gefrorenes H2O2 zu verbieten scheiterte an der Kühlschranklobby.

Allein die rege Diskussion in dem Blog bricht schon mit dem Vorurteil der Computerspieler_innen als sozial zurück gezoge Menschen. Mit Argumenten gefüttert und zudem technisch sehr liebevoll gemacht sind zudem die Videos, die auf Stigma Videospiele präsentiert werden. So sind diese quasi doppelt medienpädagogisch wertvoll.

(via: medienpaedagogik-praxis.de

Nicht erst mit dem zu erwartenden Wiederaufkommen der Forderung sog. "Killerspiele" zu verbieten stellt sich die Frage, was der Amokläufe mit Medienkompetenz zu tun haben. Nachdem vergebens online nach einer vermeintlichen Vorankündigung für die Morde in Winnenden gesucht wurde, trugen nicht nur die oft gescholtenen Massenmedien, sondern auch die selbsternannte "Social Media Scene" dazu bei, das Verbrechen zum medialen Mitmach-Event zu stilisieren. Der Mikroblogging/SocialChat-Dienst Twitter veranschaulicht dies sehr gut.

Verständlich ist es, dass viele ein Bedürfnis haben, sich über derartige Ereignisse auszutauschen, auch online. Doch in der Twitter-Timeline wurde aus Bericht und Diskussion schnell das Zuschaustellen von Schaulust und Suggerieren von Authentizität, indem etwa User aus Berlin oder Hamburg in "@replies" an die Twitteraccounts von BBC, CNN oder die Bildzeitung versuchten, ihre prominenten 15 Sekunden zu erhaschen.

Die Twitterin PickiHH schrieb dazu in ihrem Blog:

Die Twitterer, das sind doch die, die sich gerne zum Kreis der digitalen Bohème zählen, die den Holzmedien gerne vorwerfen, wie sehr sich diese hinterm Berg der modernen Kommunikation befinden, die Twitterer die nahezu jedem, der die Micro- und Macrobloggerei partout nicht verstehen will mangelnde Medienkompetenz vorwerfen. Gilt das für alle Twitterer? Nein, natürlich nicht, aber für genügend. Und zwar für all die, die Medienkompetenz mit der Nutzung und dem technischen Einsatz von Tools verwechseln und nicht sehen, dass Medienkompetenz immer auch mit den Inhalten, die über diese Tools ins Internet kommen, zu tun hat.

[...]

Angesichts einer solchen Alptraum-Katastrophe, bei der Menschen ihr Leben verlieren und die pure Fassungslosigkeit und Trauer hinterlässt, scheinen manche Twitterer weiter nur das eine Ziel zu verfolgen, welches sie eh jeden Tag haben: Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit in der Timeline um jeden Preis. Nein, von einem Bürgerjournalismus sind wir weit entfernt, wir sind mitten im Bürgerboulevard, wo die letzten Hemmschwellen des geschmacklosen Sarkasmus fallen. Ja, niemand kann mit einer solchen Katastrophe vollständig richtig umgehen, weder im Print, noch im TV, noch im Internet. Und das einzige was Twitter gestern gezeigt hat ist, dass es nichts nutzt, schneller Unfähigkeit zu demonstrieren als andere Medien.

Axel Brüggemann ergänzt bei freitag.de "Früher war es die Rolle der Bild, solche Details herauszufinden - heute schreibt die Netzgemeinschaft ihren eigenen, unerbittlichen Kriminal-Boulevard." Doch die Verschränkung mit den "alten Medien" ist nach wie vor vorhanden. So hat die Nutzerin "tontaube", die als erste aus der unmittelbaren Nähe über den Amoklauf twitterte, offenbar nicht nur innerhalb eines Tages 500 neue Follower auf Twitter, sondern auch zig Anrufe von Journalist_innen bekommen. - Nicht weil sie die besseren Informationen hatte, sondern, um den Amoklauf zu als Mitmach-Medien-Ereignis zu pushen. Während im Computerspiel auf virtuelle Menschen geschossen wird, werden im medialen Amoklauf 2.0 die realen Opfer zu bloßen Vehikeln der Selbstvermarktung und Öffentlichkeit. Manche bewusst, andere offenbar selbst davon überrascht, wie "tontaube", die der Presse per Twitter mitteilte, dass sie doch auch nichts genaues über den Täter wisse.

Einer ihrer späteren Tweets bringt es dann wirklich auf den Punkt:

pfannenkuchen_tweets.jpg

In einem langen und aufschlussreichen Interview mit dem Autor von "Digitale Paradiese" Andreas Rosenfelder, werden folgende Themen besprochen: Computerspiele als ästhetische Erfahrung, der Verlust des Spektakulären und die Routinen der Mediengeschichte; Das "Allgemein-Menschliche", Gewalt, und alternative Geschichtsschreibung.

"Ich finde, dass gerade Computerspiele, weil sie einem Spieler Aktivität und konkrete Handlungen abverlangen, sich auch kultursoziologisch lesen lassen. Computerspiele sind ein soziales Phänomen. Das sollte schon eine Frage sein: Inwiefern Computerspiele auch Ideologien oder eine bestimmte Moral transportieren. Ich glaube schon, dass sich Computerspiele in einem klassischen kulturkritischen Sinn kritisieren lassen. Und dass es sogar wichtig ist, sie so zu kritisieren."

Das bei Telepolis erschienene Interview
Teil 1: Das Wilde, Anarchische der Computerspiele tritt in den Hintergrund
Teil 2: Computerspiele sind keine moralfreien Zonen